Neue Musicalien-Kammer eröffnet

Im Schloss Köthen wurde zum Internationalen Museumstag am 16. Mai die „Neue Musicalien-Kammer im Schloss Köthen – Historische Tasteninstrumente der Sammlung Ott“ eröffnet. Die Neue Musicalien-Kammer befindet sich in zwei benachbarten Räumen des Spiegelsaals im Schloss Köthen, den so genannten Cour-Zimmern. Für die Ausstellung hat Georg Ott, Restaurator und Sammler historischer Tasteninstrumente, aus dem Bestand seiner umfangreichen Sammlung zehn Tasteninstrumente als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Ein Teil der Instrumente kann für Konzerte im benachbarten Spiegelsaal genutzt werden, zudem sind intime Konzerterlebnisse in den Ausstellungsräumen selbst in Planung.

Die Sammlung historischer Tasteninstrumente in der Neuen Musicalien-Kammer wird vom Restaurator Georg Ott seit der Jahrtausendwende aufgebaut, ist in zwei Jahrzehnten stetig gewachsen und richtet ihr Augenmerk im Laufe der Sammlungstätigkeit auf frühe Fortepiano-Instrumente. Der gebürtige Hallenser arbeitet nach seinem Studium der Musikinstrumenten-Restaurierung als Restaurator für historische Tasteninstrumente am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Sämtliche Instrumente in der Neuen Musicalien-Kammer wurden von Georg Ott aufwändig restauriert und wieder spielbar gemacht. Motivation und Antrieb war und ist ihm dabei vor allem die Neugier auf die Vielfalt unterschiedlicher Klang-Konzepte und Klang-Gestaltungen der Instrumente. Einige der ausgestellten Instrumente stellen die vielfältigen Entwicklungen der Frühzeit des Fortepianos dar.

Die Ausstellung nimmt Bezug auf die historische Hochfürstliche Musicalien-Kammer, die bereits unter Fürst Leopold von Anhalt-Köthen (1694-1728) im Schloss existierte. Inventarregister jener Zeit belegen rund 50 Instrumente im Besitz des Fürstenhauses. Sie befanden sich einst in der fürstlichen Wohnung, im Torhaus und bei den Musikern der Hofkapelle.

Die Entwicklung des Fortepianos begann gegen Ende des 16. Jahrhunderts in Florenz mit Bartolomeo Cristofori (1655-1731), der seit 1688 als Instrumentenbauer am Hof der Medici in Florenz wirkte. 1700 gilt als Geburtsjahr des Hammerflügels, ein datiertes Inventar der Florentiner Instrumentensammlung beschreibt ein „Arpicembalo di Bartolomeo Cristofori, di nuova inventione, che fa il piano e il forte“. Damit wurde die Bezeichnung „piano...forte“ eingeführt, die bis heute gebräuchlich ist und die Charakteristik des neu erfundenen Klaviers benennt: Es kann leise und laut spielen. Zuvor waren überwiegend Tasteninstrumente in Gebrauch, die keine dynamische Nuancierung des Anschlages erlaubten: Orgeln und Cembali.

Der sächsische Orgelbauer Gottfried Silbermann (1683-1753) modifizierte die Cristofori-Mechanik in seinen Hammerflügeln, die auch von Johann Sebastian Bach gespielt worden sind. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts explodierte die Klavierbau-Entwicklung. Es bildeten sich verschiedene Modelle und Mechanik-Formen. Dynamik kam erneut um 1800 in die Klavierentwicklung, als sich das Augenmerk auf die Zuverlässigkeit und die Lautstärke der Instrumente richtete. Die erwachende bürgerliche Musikkultur verlangte nach großen Mengen an Klavieren.