Umzug des Naumann-Museums

Ein halbes Jahr nach der Schließung des Naumann-Museums im Schloss Köthen fand im April der Umzug der ornithologischen Sammlung in ein Interimsquartier statt. Um die Sammlung während der mehrjährigen Sanierung des Ferdinandsbaus im Schloss Köthen sicher zu verwahren und arbeitsfähig zu halten, wurde eine innerstädtische Gewerbefläche in Köthen gefunden und angemietet, in die bis zum Ende des Monats April die gesamte Einrichtung und alle Exponate transportiert werden.

Der Umzug erfolgt in zwei Schritten und beginnt mit der Auslagerung von Büchern, Aktenbeständen und Möbeln durch ein ortsansässiges Transportunternehmen. Dieses hat allein rund 400 Umzugskartons in das Depot transportiert. Dort stehen für das gesamte Naumann-Museum 550 qm Fläche, Büro- und Sozialräume für die Mitarbeiter und auswärtige Wissenschaftler zur Verfügung.

Der Transport der 113 hochsensiblen historischen Vitrinen der Naumannschen Vogelsammlung, die noch von Sammlungsgründer Johann Friedrich Naumann gestaltet und mit 1300 einmaligen Vogelpräparaten bestückt worden sind, ist eine logistische Herausforderung. Diese wird vom weltweit tätigen Speziallogistikunternehmen Hasenkamp vom 19. bis 30. April gemeistert. Vor allem der Umstand, dass die Vogelpräparate in ihren Vitrinen bleiben und erschütterungsfrei den neuen Standort erreichen müssen, wird das Fingerspitzengefühl und die Erfahrung der Kunst- und Kulturgutlogistiker von Hasenkamp fordern. Zu den jüngsten Großumzügen von Museumsexponaten gehörte für das Unternehmen der Transport von Objekten der außereuropäischen Sammlungen von Dahlem ins Berliner Humboldt Forum. Begleitet wird der Transport vom Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen-Anhalt e. V., das mit Messgeräten die Luftfeuchte, Temperatur und Erschütterungen während des Transports der Vitrinen überwacht.

Als Bauherr für die Sanierung des Ferdinandsbaus plant die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt ab Anfang Mai die Baustelleneinrichtung und Gerüstaufstellung, kurz darauf sollen die entsprechenden Gewerke mit der Beräumung des Objektes beginnen und die Dachdecker und –klempner ihre Arbeit aufnehmen. Seit Mitte März sind dafür die ersten Ausschreibungen für das Bauvorhaben erfolgt.

Das Köthener Naumann-Museum war am 12. Oktober des Vorjahres geschlossen worden. Grund dafür sind Sanierungsarbeiten, die die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt als Gebäudeeigentümer vornehmen muss. Die mehrjährige Sanierung des Ferdinandsbaus, der von 1823 bis 1828 entstanden ist, wird ermöglicht durch Fördermittel der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM). Vom Bund gab es für den ersten von insgesamt zwei Bauabschnitten 248.000 Euro aus dem Programm für „Nationale wichtige Kulturdenkmale“. Die zur Verfügung stehenden Mittel – sie belaufen sich inklusive eines zweiten Bauabschnittes auf rund 950.000 Euro (469.000 Euro Bundesmittel) - wird die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt für die konstruktive Sicherung der Dachkonstruktion des Ferdinandsbaus und für die Sanierung von lastabtragenden Wänden und Decken verwenden. Nach bisherigen Planungen ist mit dem Abschluss der Arbeiten Ende 2022 zu rechnen. Bauvoruntersuchungen fanden bereits Ende 2020 statt.

Da das Naumann-Museum im Dachgeschoss des Gebäudekomplexes auf dem Schlossareal untergebracht ist, muss die gesamte Sammlung und Ausstellung für den Sanierungszeitraum ausgelagert werden und ist am Interimsstandort nicht für Besucher zugänglich.

Um das Naumann-Museum auch während seiner Schließung in der Öffentlichkeit präsent zu halten, plant das Schloss Köthen Veranstaltungsreihen und Ausstellungen. So wurden für die ornithologische Lesereihe „Federlesen“ Fördermittel im Rahmen des Programms „Neustart Kultur“ bewilligt. Im Laufe dieses Jahres sollen bei fünf Veranstaltungen Autorinnen und Autoren in das Schloss Köthen zu Lesungen eingeladen werden, die Bücher zur Ornithologie und zum Thema „Vögel“ veröffentlicht haben. Für den 17. Oktober ist so bereits Cord Riechelmann im Veranstaltungszentrum gebucht, der dem Publikum sein Buch „Krähen. Ein Porträt“ vorstellen wird. Am 21. November kommt der Autor Bernd Brunner und stellt in Köthen sein Buch „Ornithomania. Geschichte einer besonderen Leidenschaft" vor.