11. September | 16 Uhr | Veranstaltungszentrum

Lesereihe „Hin und weg“

Oliver Lubrich untersucht Humboldt und das Reisen

Mit seinem Buch „Humboldt: oder wie das Reisen das Denken verändert“ – in diesem Jahr im Verlag Matthes & Seitz erschienen - ist der Autor Oliver Lubrich bei einer Lesung innerhalb der Lesereihe „Hin und weg“ im Schloss Köthen zu Gast. Von 1799 bis 1804 reist Alexander von Humboldt nach und durch Amerika, später nach Russland und bis an die Grenze des chinesischen Kaiserreichs. Was seine Reisen begleitet, ist das Schreiben. Aus seinen veröffentlichten, aber auch unveröffentlichten Schriften  entsteht in Oliver Lubrichs Untersuchung ein Bild des Reisenden selbst: neugierig und trotz Vorurteilen stets bereit, genau diese an seiner Umgebung zu überprüfen. Das macht seine Aufzeichnungen bis heute so brisant: Sie sind das Zeugnis einer Wissenschaft, die versucht, der Welt so nah wie möglich zu kommen, so genau wie möglich von ihr zu berichten und auch das eigene Scheitern unbedingt produktiv zu machen. Während Humboldt das Wissen über die Welt im Namen der Forschung verändert, verändert die Welt, die er entdeckt, auch ihn: Da ist der missglückte Aufstieg auf den Chimborazo, die unüberwindbare Felsschlucht, die sich in einem wahnwitzigen Verfahren im Text niederschlägt. Da sind der Orientalismus und die Antikisierung der überseeischen Kulturen – erfahren, die Humboldt dekonstruiert. Und da ist die Zensur seiner Schriften im zaristischen Russland, die ihn dazu zwingt, verdeckte Formen für die Erzählung einer Reise unter politischem Druck zu finden, die brandaktuell sind. Immer mehr erscheint Humboldt nicht nur als Schreibender, sondern auch als Geschriebener. In jedem Buch wagt er einen anderen Entwurf, um Objektivität und Subjektivität neu zu vermitteln. Seine intellektuelle Biografie zeigt, dass in der Veränderung selbst der größte Erkenntnisgewinn liegt.

Oliver Lubrich, 1970 in Berlin geboren, ist Professor für Komparatistik an der Universität Bern in der Schweiz. Er ist Herausgeber zahlreicher Werke Alexander von Humboldts und hat darüber hinaus zahlreiche Studien zu den Zeugnissen internationaler Autorinnen und Autoren aus dem nationalsozialistischen Deutschland veröffentlicht.  

Das Schloss Köthen nimmt seine Besucher zum Ende dieser Spielzeit und mit Beginn der neuen Saison ab September mit auf Reisen in und um die Welt. Die neue Lesereihe „Hin und weg“ stellt Bücher von Autor*innen vor, die über ungewöhnliche Formen des Reisens geschrieben haben. Seit nunmehr zwei Jahren sind die Menschen, bedingt durch die Pandemie, in ihrem Reiseverhalten eingeschränkt. Die Sehnsucht, andere Länder zu erkunden, fremde Kulturen zu entdecken und Menschen kennenzulernen ist jedoch ungebrochen. Mit der Lesereihe „Hin und weg“ will das Schloss Köthen auf ungewöhnliche Reisen und jene, die diese unternommen haben, aufmerksam machen. 

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Termine

11.09.2022, 16:00:00

Ticketpreis

Vorverkauf 10 €, Tageskasse 13 €

Veranstaltungsort

Veranstaltungszentrum
Schlossplatz
06366 Köthen