Prähistorische Ausstellung

Öffnungszeiten

Montag geschlossen
Dienstag bis Sonntag: 10 bis 17 Uhr
Führungen für Gruppen sind nach Absprachen auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich.

Eintrittspreise

Schlosskarte (alle Museen) 6 Euro
Schlosskarte ermäßigt 4 Euro
Schlosskarte Gruppe, je Person 4 Euro

Kontakt

Christoph Erdmann
Tel: 03496 700 99 274
Email: historisches-museum@schlosskoethen.de

Fibeln

Bereits ein Jahr nach der Gründung des Vereins „Heimatmuseum für Stadt und Kreis Köthen e.V.“ konnte 1912 im Marstallgebäude ein Heimatmuseum mit eigener vorgeschichtlicher Abteilung eröffnet werden. Aus Platzgründen erfolgte 1929 der Umzug der Ausstellung in die Museumsgasse. Die umfangreichen Sammlungsbestände verblieben jedoch im Köthener Schloss. 1939 wurde die Stiftung „Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte“ für das Land Anhalt ins Leben gerufen, die jedoch mit dem Ende des 2. Weltkrieges wieder erlosch. Da das nach mehreren Umzügen seit 1981 als Depot genutzte Klosterhospital der „Barmherzigen Brüder“ in der Wallstraße nur bis 1995 zur Verfügung stand, wurde die Ausstellung in der Museumsgasse fortan zum Depot. Die große Schausammlung war seitdem der Öffentlichkeit verschlossen. 1996 wurde die Sammlung in Kellerräumen der neuen Landkreisverwaltung auf dem Flugplatzgelände untergebracht. Seit 2003 stehen nun im Ferdinandsbau Räumlichkeiten zur Verfügung, um die Ausstellung der Vorgeschichte aus dem mittleren Anhalt wieder der Öffentlichkeit angemessen zu präsentieren.

Prof. Walther Götze legte mit seiner Privatsammlung den Grundstein für die heutige Sammlung. Die Ausstellung verdeutlicht die Besiedlungsgeschichte Anhalts bis zur ersten urkundlichen Erwähnung der Stadt Köthen im Jahr 1115.

Die ersten Spuren von Menschen haben Neandertaler vor über 250 000 Jahren im Köthener Land mit dem Faustkeil von Werdershausen hinterlassen. In die gleiche Zeit wird das imposante Geweih eines Riesenhirsches aus Edderitz datiert. Zu einer dauerhaften Besiedlung des Köthener Landes kam es vor 8 000 Jahren. Die Menschen mit der neuen Wirtschaftsweise des Ackerbaus und der Viehzucht fanden auf der fruchtbaren Köthener Platte weite Siedlungsmöglichkeiten.

Ein wesentlicher Punkt der Ausstellung ist die 3 200 Jahre alte Saalemündungsgruppe, die das Köthener Land in der Bronzezeit prägte. Die Köthener Sammlung von Haus- und Gesichtstürurnen ist eine der umfangreichsten in Mitteldeutschland. Das bedeutende Gräberfeld der Römischen Kaiserzeit von Kleinzerbst und die Gräber der 375 u.Z. beginnenden Völkerwanderungszeit sind durch auffallend reiche Beigaben gekennzeichnet. Die Slawen verstärkten ihre Siedlungstätigkeit im 8. Jahrhundert und errichteten zahlreiche Burgwälle. Die Größe der Burg Cösitz und ihre Anlage in einem von Flüssen und Sümpfen umgebenen Gelände sprechen dafür, dass diese Burg der Sitz eines Fürsten gewesen sein könnte.

Die geschriebene Geschichte Köthens beginnt im Jahre 1115, als der Ballenstedter Graf Otto der Reiche mit seinem Heer bei „Kothene!“ (in loco, qui Cothene dicitur) ein aufständisches slawisches Aufgebot vernichtend schlug.

Walther Götze

Walther Götze (1879-1952) war einer der verdientesten Prähistoriker Mitteldeutschlands, dessen Name untrennbar mit dem Entstehen und Werden der Köthener Sammlungen, eine der seinerzeit umfangreichsten Mitteldeutschlands, verbunden ist. Götze stammt aus einer alteingesessenen Köthener Handwerkerfamilie. Er besuchte  das Gymnasium in Köthen, danach die Franckeschen Stiftungen in Halle. In dieser Zeit erwachte sein Interesse an archäologischen Funden. Den Grundstock seine Sammlung bildeten Objekte vom kaiserzeitlichen Gräberfeld in Großpaschleben, die er damals auf den Äckern seiner Verwandten ausgrub.

Seine große musische Begabung führte Götze auf das Konservatorium in Leipzig. Mehrere Jahre wirkte er als 2., später 1. Kapellmeister, u.a. in Essen, Schweidnitz, Dortmund und Kiel. Götze spielte verschiedene Streichinstrumente, Orgel und Cembalo sowie meisterhaft Flügel.

Nach seiner dauerhaften Rückkehr in seine Geburtsstadt im Jahr 1911 wandte er sich intensiv der Archäologie. Bei Gründung des Köthener Heimatmuseums im Jahre 1912 legte er eine vorgeschichtliche Abteilung an, deren Bestände - besonders nach dem 1. Weltkrieg - rasch anwuchsen. Seine Verdienste bewogen den damaligen Kreisdirektor Julius v. Brunn, Götze ab 1921 dauerhaft als Kreiskonservator für Vorgeschichte anzustellen. Götze wurde später Professor und 1935 - im Zusammenhang mit dem anhaltischen Gesetz von 1934 - Vertrauensmann zum Schutze der Bodenaltertümer im Land Anhalt. Die gute Ausstattung in Köthen ermöglichte es ihm, die Sammlungsbestände trotz des rasanten Anwachsens fachgerecht zu betreuen. Nach Ausbruch des 2. Weltkrieges widmete er sich vordringlich deren Aufarbeitung (Ausarbeitung von Fundberichten, Neuinventarisierung), sodass sich das Inventar in einem vergleichsweise sehr guten Zustand befand. Nach 1945 bis zu seinem Tode lebte Götze als Rentier in seiner Heimatstadt.

Götze war vor allem Sammler, im noch jungen Fach, und wie fast alle Vertreter jener Zeit, Autodidakt. Die umfangreichen Kenntnisse im Material seiner fundreichen Heimat erlaubten ihm dennoch Stellungnahmen zu verschiedenen prähistorischen Fragestellungen. Besonders und erfolgreich eingearbeitet hatte er sich in die physische Anthropologie. Öffentliches Auftreten dagegen lag ihm nicht, dennoch war er an den Stätten seiner umfangreichen Geländetätigkeit - z.B. in Wulfen, Osternienburg oder Schoretewitz- jedermann als "Buddelgötze" bekannt. Neben der Prähistorie widmete er sich intensiv auch weiteren heimatgeschichtlichen Fragen, so hat er u.a. auch bedeutende Beiträge zur Bachforschung geleistet.