Köthener Perlen strahlen wieder
Elf markante Punkte, eine App und jede Menge Geschichte: Das touristische Leitsystem „Köthener Perlen“ ist nach einer umfassenden Modernisierung und Digitalisierung fertiggestellt worden. Wo einst beschädigte Stelen und verblasste Informationen das Stadtbild prägten, lädt nun ein digitaler und barrierefreier Rundgang durch Köthen Einheimische wie Gäste dazu ein, die Bachstadt neu zu entdecken.
Das im Jahr 2010 installierte System, das wichtige Stationen vom Schloss über das Rathaus bis hin zum Prinzessinnenhaus auf einem 1,9 Kilometer langem Rundgang verbindet, war nach 15 Jahren im öffentlichen Raum gezeichnet. Witterungsschäden, Vandalismus und defekte Verankerungen machten eine grundlegende Kur notwendig. Dank einer Förderung aus dem Corona-Sondervermögensgesetz des Landes Sachsen-Anhalt in Höhe von rund 46.400 Euro sowie Eigenmitteln der Stadt konnte das Projekt nun erfolgreich abgeschlossen werden.
Die Erneuerung beschränkt sich jedoch nicht nur auf die äußere Hülle. Die markanten Edelstahl-Stelen wurden restauriert und mit einem speziellen Vandalismusschutz versehen. Neu hinzugekommen ist eine elfte „Perle“ in der Burgstraße: Eine Stele erinnert dort nun an Felix Friedheim und den Standort der ehemaligen Synagoge.
Der Fokus der Maßnahme lag vor allem auf der Digitalisierung. „Ziel war es, die Stadtgeschichte ohne physischen Kontakt und barrierefrei erlebbar zu machen“, erklärte Projektmanager Lutz Osterland aus dem Schloss Köthen. „Egal, wo ein Tourist in der Stadt unterwegs ist, irgendwann stößt er unweigerlich auf eine Stele und findet so den Einstieg in die App, die Webversion oder scannt mit QR-Code die Informationen direkt vor Ort. Eine Karte weist dann den Weg zu den anderen touristischen Punkten“, so Lutz Osterland. Über eine Webversion unter www.schlosskoethen.de sowie die integrierte „Schloss Köthen“-App können Besucher die Audioguides abrufen, die auch in englischer Sprache verfügbar sind, historische Bilder betrachten und die entsprechenden Begleittexte lesen.
Inhaltlich wurde tief in den Archiven gegraben. Rund 60 historische Fotografien und Abbildungen aus dem Museumsbestand illustrieren den Rundgang, den Museumsmitarbeiter Christian Ratzel inhaltlich betreute. Neben harten Fakten setzen die Macher auf Unterhaltung: Pro Standort vermitteln zwei bis drei Anekdoten lebendige Einblicke in die Historie der Gebäude und die Persönlichkeiten, die dort wirkten. „Da gibt es Geschichten zu hören, die auch die Einheimischen noch nicht kennen“, ist sich Ratzel sicher.
Mit dem Abschluss des Projekts verfügt Köthen über ein zeitgemäßes touristisches Angebot, das die reiche Geschichte der Stadt – von Bach bis Hahnemann – für die digitale Ära rüstet und die Attraktivität der Innenstadt nachhaltig steigert. Köthens Oberbürgermeisterin Christina Buchheim verband den Projektabschluss mit der Hoffnung, dass „die Stelen lange so erhalten bleiben“. Sie seien nun wieder ein Aushängeschild für die Stadt. „Besonders freue ich mich, dass mit der neuen Stele am Standort der ehemaligen Synagoge nun auch ein Stadtratsbeschluss umgesetzt worden ist“, sagte Christina Buchheim.
Alle Beteiligten zeigten sich zudem erfreut darüber, dass die anfangs veranschlagten Kosten unterschritten worden. So schlugen am Ende rund 36.000 Euro Kosten zu Buche, eine Einsparung von mehr als 15.000 Euro, die vor allem durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz bei den Übersetzungen entstand – ein ausdrücklicher Wunsch des Fördermittelgebers. Auch die Montagearbeiten ließen sich durch Eigenleistungen des städtischen Bauhofes reduzieren. Die Eigenmittel der Stadt verringerten sich so auf rund 3.600 Euro. (12. Mai 20226)
In die Webversion kann man direkt über www.koethen-guide.de einsteigen, die Schloss Köthen-App kann in den entsprechenden Stores kostenfrei heruntergeladen werden.